TEXTE

Steine zwischen meinen Füssen

Ein Weg ins Nirgendwo - endlos.
Übersät mit Steinen, steil und eng.
In kurzer Zeit um Jahre gealtert.
Ein verlorener Kampf?

Steine zwischen meinen Füssen.
Steine treffen meinen Rücken.
Und immer dieselbe Frage:
Ist dies mein Weg?

Ihr habt mich getroffen -
aber nicht umgebracht.
Ihr habt mir Wunden zugefügt -
aber Wunden heilen.

Mein Rücken beugt sich unter der Last -
aber ich kann ihn wieder aufrichten.
Ich steh gerade,
im innern Gleichgewicht.
Die Seele schmerzt,
doch heute weiss ich wer ich bin.

Was heisst Steine zwischen meinen Füssen?
Ich kann die Füsse wohl heben
und über Steine steigen.
Der Weg ist wohl steil, das Ende ungewiss,
aber es ist mein Weg.
Ihr habt mich verwundet, aber nicht besiegt.
Ihr werdet mich nie besiegen.
Stolz und unnahbar geh ich meinen Weg.
Mein Herz steht im Einklang mit meinem Schritt.
Immer weiter, immer geradeaus.

Ich lebe - ich steh da!


Copyright: Ueli Grass 1994

 

STEINE IM GLEICHGEWICHT

 Sie stehen als stumme Zeugen, des Vergangenen und des Zukünftigen.

Steine - leblos, ohne Anspruch auf ein Irgendwo. Aus der Bedeutungslosigkeit erwacht,

um dem ewigen zu begegnen. Spiegelbild des Unmöglichen.

Zur Ruhe fordernd, der Stille lauschend, der Rastlosigkeit trotzend.

Mut zum stehen bleiben. 

Licht und Schatten, belebt durch des Lichtes Einfluss,

bewegt durch des Wassers Unruh. Zerbrechlichkeit des Gleichgewichts,

jeden Tag auf‘s neue eine Mitte finden. Struktur, Punkt, Gleichgewicht suchen und fühlen.

 

Steine zwischen meinen Füssen. Unbequem und doch immer wieder,

als Gebilde zu Skulpturen geformt, als Objekte betrachtet.

- Spiegelbilder des Vergänglichen - Berührung von Schmerz und Freud,

Herausforderung im Rahmen des Geschehens. 

Weich/hart verschmelzend in Gefühlen der eigenen Ohnmacht.

Aus dem Rhythmus gerissen, verweilend, betrachtend.

Losgelöst von der Last des Alltag. lmpressionen von Kunst als Harmonie und Bewegung.

Ausdruck abstrakt-, surrealistisch-, illusionistisch schwebender Formen.

Um so mehr der Realität beim Verweilen und Betrachten gegenübergestellt.

 

Greetings/Gruetzi, Ueli, from Aotearoa/New Zealand!

(Sorry, Ich schriebe nich gut Deutsch!)

I lived in Zurich from 1998-99 and I have kept a card of one of your wonderful stone sculptures on my wall ever since. I visited your 'Atelier im See' three times, and enjoyed the amazing peaceful atmosphere of your art - both the process, as you balanced the stones, and the result, which I found incredible.

This year I am studying creative writing, and have nearly finished writing a collection of poetry. Just the other day, I was inspired by the card on my wall, and I wrote a poem, which I have attached for you as a gift.

I really hope you enjoy it! If your English is not so good, I hope you have someone nearby to translate it for you!

Danke viel viel mals for the lasting memories. Living in Zurich was not always easy for me, but it was such things as your Atelier that made the experience worthwhile and enchanting.

Very best wishes,

Nicola Easthope
Raumati South,
Kapiti Coast, (near Wellington)
Aoteaora - New Zealand

Atelier im See

(‘Studio in the lake’) 

Who would have thought

to look for the Buddha

on the contrary surface

of Zurich’s great lake?

 

There is gold in the sun,

and a touching föhn blows

warm over the alps.

I am watching a man

 

lift lake stones that seem

too contrived to be statues.

But he searches at random

perching two, and now

 

three upon each other

in a shapely apartment

of poise. All the delicate

gravity of Switzerland is there:

 

the gun in the broom cupboard

beside the vacuum and other agents;

 

blue neon in civic water closets

deterring nights spent in vein;

 

unwashed clothes kept inside

every unflappable Sunday;

 

the prohibited sniff of noses

unblown on city streets

whose fur-lined neutrality

holds Jewish gold beneath;

 

the rush to press the button

to close the door of lifts;

 

the timely removal of dust

between double glazed panes;

 

riders walking horses

around manholes;

  walkers waiting

until the blinking man is green.

 

But this artist imbues sanity

into the heart of these lake stones

balancing somewhere between

opiate oblivion and clean control.

 

I can almost sense sea-light

in this old man’s fine hands.

 

I wish to take them,

shake their secrets

into mine.

 

 

 

 

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