
Präsentation:
Ueli Grass,
Tschächli, CH-8783 Linthal
Mail:
Ueli Grass
+41 79 456
75 50
+41 55
653 10 90
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Inhalt
Steine im Gleichgewicht
Lebenskünstler Ueli Grass schichtete bis letzten Sommer am Zürichhorn Steine aufeinander, die jeglichen Gesetzen der Schwerkraft zu
trotzen schienen. Die schwebenden Figuren zogen Passanten in Bann. Das ihnen innewohnende Gleichgewicht faszinierte. Besondere Stimmung herrschte in der kleinen Bucht. Ein vorläufiges Ende hat die Idylle gefunden, weil Grass
Karten
seiner Figuren und
CD s
(DVD
ist noch nicht erhältlich,
Produktion ist in Vorbereitung) verkauft hatte, ohne über die entsprechende Bewilligung zu verfügen. Kulturbehörden und Verwaltungsbeamten konnten bisher trotz Vermittlungsversuchen des Ombudsmanns keine Lösung finden.
Wer ist der Mann am See, für den das Element Wasser Lebensbedingung ist?
Ein Besuch bei
Ueli Grass
in seiner Altstadt Wohnung, eine Begegnung vor Jahren am See malen das Bild eines starken Menschen, der niemals seine Mitte verloren hat.
Am See
Ein bärtiger Mann tappt mit hohen Fischerstiefeln ins Wasser. Bedächtig wie ein Bär lässt er sich durch die neugierigen Blicke der Umstehenden nicht verunsichern. Er hebt einen grossen Steinbrocken an, wiegt ihn in den Armen und plaziert ihn zielsicher auf die Kante des darunter liegenden Steins, noch zwei weitere Steine folgen. Eine Ausdrucksform für das Gleichgewicht. Alles was es dazu braucht sind schwere Steine, ruhige Hände und Zeit.
In aller Ruhe schafft er Gruppierungen tanzender Steinfiguren. Er steigt aus dem Wasser und setzt sich auf einen Campingstuhl. In stiller Freude betrachtet er die, die sein Werk bestaunen und versuchen Worte und Erklärungen zu finden. Im Hintergrund rieseln sphärische Klänge aus dem Rekorder. Das Geschehen bildet eine Einheit der besonderen Art, eine Insel der Ruhe. Stehenbleiben, Staunen, Rätseln.
Das sei eine göttliche Gabe, meint eine ältere Dame. Vergleiche werden angestellt: Stonehenge, der Steinkreis. Venus von Willendorf. Kraftplatz.
Grass lässt den Zuschauern Raum. Er deutet nicht. Er bringt ins Gleichgewicht.
Da ist das Wasser in seiner Weichheit und über ihm tanzen die harten Steinfiguren ihren vergänglichen Tanz, der schon durch einen heftigen Windstoss mit lautem Tosen sein Ende finden kann, so als hätte es ihn nie gegeben. Vergängliche Kunst.
Balanceakte im Leben
Obwohl früh mit Härte konfrontiert, hat Grass immer wieder seine Mitte gefunden.
Als Sohn einer jüdischen Mutter und eines jenischen Vaters wurde er 1943 geboren.
Erst 1985 hat er von der Stiftung „ Naschet
Jenische“ erfahren, dass auch er ein „Kind der Landstrasse“ war. Die Eltern starben in seinem ersten Lebensjahr. Nie durfte er ihr Grab besuchen. Genaue Umstände ihres Todes hat er nie erfahren. Das lässt viel Raum für Fragen und Befürchtungen. Aber aus seinen Wurzeln spielt eine kraftvolle Lebensmelodie: am 14. 11.01 wurde der Verein Schinagel (jenisch: „Arbeit“) gegründet, der sich für die Interessen des fahrenden Volkes einsetzt. Präsident ist Ueli Grass.
Er ist adoptiert worden von einem gutsituierten Ehepaar am Zürichsee. Kinderlos wie sie waren, wünschte sich der Vater einen männlichen Nachfolger. Aber Ueli hatte ein Feuer im Herzen. Erzieherische Massnahmen wurden ergriffen. Er verbrachte seine ganze Kindheit in verschiedenen Heimen. Immer wieder Trennungsschmerz. Das Zusammenstürzen seiner Steinfiguren schmerzt ihn auch manchmal: Wenn menschliche Hände mit Absicht das Gleichgewicht zerstören. Aber er baut auch dann wieder auf.
Die Kraft in ihm war schwer zu bändigen. Zwang und Strafe bewirkte das Gegenteil.
Freundschaft hat er immer in der Natur gefunden. Schon früh waren ihm Steine und Wasser Verbündete: Staudämme bauen, während die anderen Fussball spielten. Erste Steinfiguren.
Oder er grub Löcher im Gras, die er sanft auspolsterte für die Käfer, die darin wohnen sollten.
Träume in der Natur. Viel später, als er sich zum Fotograf wurde, setzte er die Naturbilder, die er betrachtet hatte auch künstlerisch um: Flechten auf Steinen, eigene mikrokosmische Welten. Eine Lehre als Maschinenschlosser brachte er hinter sich. Der Vater bot ihm dann seine Nachfolge an, falls er endlich parieren würde. Grass schlug aus.
Die Adoption wurde aufgelöst. Mit 20 Jahren bekam Grass den Namen seiner leiblichen Eltern und gewann seine Freiheit.
Schwere Steine packte er an, Lebensbrocken, stellte sie sorgfältig aufeinander, brachte sie in Balance, um immer wieder zuzuschauen, wie sie umkrachten durch die Windstösse des Lebens, Wellenschläge oder böswillige Absicht. Immer wieder baute er auf und sah sein Werk im Nichts verschwinden. Nomadentum. Befestigen will er seine Kunst nicht.
Die Vergänglichkeit ist ein Teil ihrer Aussagekraft ebenso wie die einfachen Mittel.
Zweimal war er verheiratet. Er war Fernfahrer in ganz Europa bis in den Orient, drehte Videofilme, bildete sich kaufmännisch weiter. Viele Begegnungen hatte er auf der Gasse. Als Gassenarbeiter, Freund, Mensch. Zürich ist für ihn Heimat.
Autonomie war ihm stets das Wichtigste. Nicht immer einfach. Manchmal waren Probleme mit Behörden die Folge. Ein in seiner Jugend zu Unrecht verpasster Schlag eines Polizeiknüppels ist noch heute zu spüren. Der Rücken hat die Verletzung gespeichert, die Seele auch. Dennoch kommt aus der Tiefe immer wieder Kraft, aufzubauen.
Der Mensch in seiner ganzen Zerbrechlichkeit. Der Aufbau der Steine ist Wachsen, Einatmen, Hoffen. Wenn die Steine tanzen, dieser Moment des vollkommenen Gleichgewichts, entsteht Freiheit. Schmerz und Freude berühren sich. Schwere Materie erhebt sich in absoluter Leichtigkeit. Das Zusammenfallen ist Sterben. Ausatmen, Loslassen. Was bleibt ist der Wasserspiegel des Sees. Für Grass zeigt der Vorgang den Menschen in seiner ganzen Zerbrechlichkeit. Immer wieder hat er diese Vorgänge wiederholt. Jetzt ist der Platz am See leer. Die alte Weide wiegt ihre Äste im Wind, beugsam und weich.
Warum wohl hart und weich so schwierig zu verbinden sind, mag sie sich fragen. Es bleibt zu hoffen, dass die Zürcher Verwaltungsbehörden eine menschliche Antwort darauf finden. Viele Passanten werden sonst nächsten Sommer den Tanz der Steine über dem See vermissen.
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Fast
unwahrscheinliches
aus der Welt des Gleichgewichts
Das Atelier am See in
Zürich / Schweiz
lake studio
from 1993 to 2002, the artist Ueli Grass was working at the shore of the lake of zurich close to
"Zürichhorn" where the china garden is.
he put his stones without any tricks (like glue etc.), one on another, in perfect
balance.
Ueli Grass
und
Sandra Müller
Mail:
Ueli
Grass
Tschächli, 8783 Linthal, +41 79
456 75 50
+41 55
653 10 90
